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„Wir müssen besser als andere sein!“

07.11.2008

Aus dem Blickwinkel von connect sind ernorme Herausforderungen zu meistern!

Seit seinem Lehrauftrag an der Hochschule Coburg im Jahr 1999 „Die Wirtschaft der Region“ beschäftigt sich René Leibold intensiv mit dem Coburger Arbeitsmarkt. Er ist Geschäftsführer des Arbeitsmarktunternehmens connect in Neustadt, Leiter des Institutes für familienfreundliche Arbeitsmarktentwicklung (IffA) und Beirat der Coburger Arbeitsmarktinitiative. Bis heute hat die connect Neustadt mehr als 1.200 Menschen in Arbeit gebracht und mehr als sechs Millionen Euro EU-Projektmittel in der Region abgewickelt. Mit ihm haben wir ein Interview geführt.

Was sind die besonderen Chancen der Coburger Wirtschaft?

Leibold: „Die Chancen liegen in der enormen Qualität der Produkte und Dienstleistungen der heimischen Wirtschaft und in den dafür sehr wettbewerbsfähigen Kontenstrukturen. Es sind das Preis-Leistungsverhältnis und die Innovationskraft, die die Coburger Wirtschaft so stark machen. Diese Stärken gilt es, weiter auszubauen und zu pflegen – und deutlich zu kommunizieren.“

Und was sind die besonderen Herausforderungen?

Leibold: „Die Herausforderungen sind enorm. Zum einen fehlen in teils wichtigen Bereichen die Fachkräfte schon heute. Zweitens nehmen die Schulabgängerzahlen in Bayern – und für uns ebenso wichtig in Thüringen – dramatisch ab. Schließlich trifft uns die demografische Entwicklung mit doppelter Härte. Die Lösung dieser drei Probleme hängt zusammen und ist der Schlüssel zur künftigen Entwicklung der Region.“

Inwiefern mit doppelter Härte?

Leibold: „Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln rechnet damit, dass in Deutschland bis 2020 die Arbeitskraft von etwa fünf Millionen mehr Arbeitnehmern nötig sein wird. Und da die Ballungsräume weiter wachsen werden, wird sich dieses Problem in Regionen wie Coburg besonders stark auswirken. Schon heute gehen weit mehr junge Menschen in die Ballungsräume als von dort Kräfte zu uns kommen. Hier brauchen wir dringend Handlungsansätze und auch gemeinsames Handeln.“

Gibt es denn solche Ansätze?

Leibold: Ja. Wir müssen einmal mehr schneller und besser sein als andere. Das gerade fertig gestellte Humanressourcenkonzept der Arbeitsmarktinitiative ist ein gutes Beispiel dafür, dass Coburg bereits handelt, wo andere Regionen noch warten. Die Arbeitsmarktinitiative hat ja auch deutlich aufgezeigt, dass in vielen Bereichen schon vorbildlich gearbeitet wird. Das gilt für einen Teil der Unternehmen und ihre Verbände und Institutionen, das gilt für Projektträger mit innovativen Konzepten – und das gilt für die Kommunen unserer Region. Anderswo schaut man voller Neid auf das, was in Coburg gepackt wird und auch schon umgesetzt wurde.“

Wird das reichen können?

Leibold: „Ich bin da optimistisch. Es gibt in der Region Unternehmen und Unternehmer, die bundesweit als vorbildlich gelten: Sei es die Personalentwicklung der HUK Coburg, die Familienfreundlichkeit der Firma Haba, die Initiative von Matthias Dietz in Sachen Lehrstellenmesse, den Theo Kiesewetter-Preis, den Ausbildungsverein und vieles mehr. Es gibt Projekte wie „50plus in Oberfranken“ oder „STARegio“ und kommunale Ansätze wie die Familienkonferenz von Stadt und Landkreis. Und noch einmal: Die Arbeitsmarktinitiative kann die Klammer für all diese Ansätze sein und das Gute koordinieren. Schwierig wird es nur dann, wenn die Region selbst nicht handeln kann, wenn also Freistaat und Bund Rahmenbedingungen schaffen müssen. Da gilt es, den Raum außerhalb der großen Ballungszentren besser zu stellen als bisher! Ohne Rückenwind und ganz allein aus eigener Kraft wird es schwer. Aber auch Politik kann sich ja verändern…“

Quelle: Perspektiven, November 2008
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